Am 31. Januar 2026 stürmten ca. 150 vermummte Cops den kollektivgeführten Kulturort CityClub in der Augsburger Innenstadt während einer großen laufenden Veranstaltung. Die über 200 Gäste wurden stundenlang festgehalten bevor sie durchsucht und entlassen wurden. Sie berichten von einer menschenunwürdigenden Behandlung durch die Cops, Polizeigewalt und Erniedrigungen. Auch Rechtsexpert*innen bemängeln zahlreiche Ungereimtheiten.
Eine Woche danach zogen etwa 1500 Augsburger*innen lautstark durch die Innenstadt und verliehen ihrer berechtigten Wut Ausdruck.
Die Autonome Bande hielt hierbei eine Rede, die wir euch nicht vorenthalten möchten:
Liebe Freund*innen, liebe Mitaktivist*innen, liebe Augsburger*innen
Auch wir als Autonome Bande Augsburg verurteilen natürlich aufs Schärfste die Geschehnisse von Samstag und möchten unsere tiefste Solidarität mit den Betroffenen aussprechen!
Das Ganze ist eine rießengroße Schweinerei!
Trotzdem werden wir jetzt in der Rede weniger auf den spezifischen Abend eingehen, dies wurde heute ja bereits ausführlich gemacht.
Wir wollen über die Rolle von Selbstverwaltung und Subkultur für eine utopische befreite und gleiche Gesellschaft sprechen.
Warum sie so wichtig ist. Und warum es genau deshalb zu solchen Repressionen kommt…
Alle die hier in irgendeiner Weise organisiert, teil eines Kollektives oder einer subkulturellen Szene sind wissen es:
Wir bauen auf, wir stecken unglaublich viel Herzblut in unsere Projekte, in unsere Gruppen, in unsere Veranstaltungen. Wir engagieren uns teils über Jahre. Hauen teils absurd viel Zeit, Ressourcen und Kapazitäten auf den Kopf.
Und das obwohl wir doch angeblich alle sonst so arbeitsscheu sind…
Aber warum?
Am Lohn wird’s kaum liegen 😉
Wir erkämpfen uns damit müßig Freiräume in einer Welt und Gesellschaft in der es ansonsten keine Orte für uns geben würde.
Unsere Gruppen, unsere Orte, unsere Szenen, unsere Veranstaltungen sind für uns Inseln in einer Gesellschaft, die durchzogen ist von Kapitalismus, Leistungsdruck, Bewertung und vor allem Verwertung. Einer Gesellschaft die aufgebaut ist auf Rassismus, Sexismus, Queerfeindlichkeit, Klassismus und anderen Diskriminierungen.
Nein wir wollen kein Teil davon sein!
Wir wollen versuchen das selber anders zu machen!
Orte wie der CC stellen für uns dabei eine Insel dar in dieser Welt voller Scheiße.
Deshalb organisieren wir uns selber. Und bei allen Streitereien die dabei sicher auch aufkommen mögen: Wir versuchen es anders zu machen. Wir versuchen auf Augenhöhe und solidarisch miteinander umzugehen. Wir versuchen all die Diskriminierungen, die es da draußen gibt, so gut es geht nicht bei uns selbst zu reproduzieren. Und sicher scheitern wir dabei auch mal.
Es sind Räume die wir schaffen wollen, in denen wir und andere sich wohlfühlen. Sich sicher fühlen. Ihren Wert spüren.
Wir als ABA sehen diese Selbstorganisation von unten, diese Szenen, diese Sub-Kulturen, diese Orte und Gruppen, die es anders machen wollen, die gängigen Machthierarchien hinterfragen, an denen Menschen einfach teilhaben können, die lokal wirken und auf Gemeinschaft ausgelegt sind.
Wir sehen sie als riesigen Lichtblick und Ausblick wie eine utopische Gesellschaft organisiert sein könnte:
Miteinander. Von unten. Machtkritisch. Solidarisch.
Doch das sehen auch die Mächtigen.
Das sieht der Staat. Das sieht die Rechte Politik. Und sie sehen es sicher nicht als Lichtblick…
Und genau deswegen werden wir so häufig und immer heftiger attackiert.
Egal ob Klimabewegung, queere Szene, post-migrantische Selbstorganisation, unabhängige linke Gruppen, Ultra – Subkultur, feministische Szene, Techno-Subkultur, Punk-Szene, politische Hausprojekte oder eben die linke selbstverwaltete Kunst- und Kulturszene.
Sie alle WIR ALLE stellen deren gesellschaftliche Ordnung ein Stück weit in Frage.
Wir stellen ihre Autorität in Frage. Wir stellen die Macht und die Mechanismen nach der diese vergiftete Gesellschaft funktioniert in Frage.
Und das ist auch richtig so!
Wir von unten werden immer demokratischer sein als es die von Lobbyismus, Wirtschaft, Egoismus und Machtinteressen geleiteten repräsentativen neoliberalen, konservativen und rechten Demokraten je sein werden. Von den Rechtsextremen der AfD natürlich ganz zu schweigen…
Und das wissen sie!
Und deswegen kriminalisieren sie uns.
Rennen sie uns in absurder Manier und Großenordnung die Buden ein. Verfolgen noch den kleinsten Mist. Räumen uns aus unseren Häusern. Behandeln uns auch im zwischenmenschlichen so wie sie uns eben behandeln. Überziehen unsere Gruppen und Freund*innen mit Verfolgung und Strafen. Reden uns schlecht. Überwachen uns. Sperren uns ein. (Solidarische Grüße an Maja an dieser Stelle!)
Erniedrigen uns. Fügen uns Gewalt zu.
Es ist wie gesagt absurd wenn wir uns die Frage nach der Relation dieser Heftigkeit der Verfolgung stellen… Unmengen an Ressourcen und Geld wird hier verschwendet. Grundrechte für Kleinigkeiten mit Füßen getreten. Wohl um die 100.000 Euro Einsatzkosten für ein paar Gramm Drogen…
(Das ist ein echt schlechter Kurs btw 😉 )
Aber vielleicht macht es ja doch Sinn wenn wir es als etwas anderes verstehen:
Wenn man es versteht als aggressiven Versuch eines korrupten und autoritären Staatsapparats die Macht zu erhalten und auszubauen.
Jegliche fundamentale und ernsthafte Versuche für eine wirklich freie, eine wirklich gerechte, eine wirklich solidarische, eine wirklich demokratische Gesellschaft einzustehen müssen bekämpft werden.
Denn: Es darf nicht sein was nicht sein darf!
Es darf an der Ordnung nicht gerüttelt werden!
Für uns ist es also immens wichtig diese Zusammenhänge zu verstehen. Diese Zusammenhänge auch unter unseren Gruppen, Orten und Szenen zu verstehen, zu fühlen und mehr zu leben.
Wir müssen trotz sicherlich vorhandenen Unterschieden zusammenhalten. (Nur) so haben wir eine Chance eine gemeinsame Gegenmacht von unten zu entwickeln.Also:
Lasst uns gemeinsam rütteln!